Halte dich an die gesunde Lehre, die du von mir gehört hast; nimm sie dir zum Vorbild und bleibe beim Glauben und bei der Liebe, die uns in Christus Jesus geschenkt ist. Bewahre das dir anvertraute kostbare Gut durch die Kraft des Heiligen Geistes, der in uns wohnt.
2. Tim 1, 13-14.

Mit dem Wort „Katechismus“ wird die die Sammlung der offiziellen Unterweisung der Kirche in den Grundfragen des Glaubens bezeichnet. In diesem Teil möchten wir aber nur auf einige Glaubensgrundsätze hinweisen wie das Herrengebet, die Zehn Gebote, die Mysterien (sog. Sakramente).

Ein ausführlicher Katechismus und eine Erklärung des Glaubens in zwei Bänden in armenischer Sprache stehen auf dieser Seite unten als PDFs zur Verfügung. Wenn Sie sich ausführlicher mit dem Glauben beschäftigen möchten, können Sie gerne Ihren Gemeindepfarrer oder den Bischof ansprechen.


Herrengebet

Vater unser im Himmel,
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Erklärung des Vaterunsers von Elische Wardapet († 480)

Text aus: Ausgewählte Schriften der armenischen Kirchenväter / aus dem Armenischen übers.; hrsg. von Simon Weber. (Ausgewählte Schriften der armenischen Kirchenväter Bd. 2; Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 58) Kempten; München : J. Kösel : F. Pustet, 1927.


Die Zehn Gebote

Die Zehn Gebote sind zweifach im Alten Testament (Exodus 20, 2-17; Deuteronomium 5, 6-21) überliefert und haben dort als einzige direkte Niederschrift durch den Finger Gottes (der Rest der Gesetze wird als ein Diktat Gottes an Mose geschildert) höchste Geltung und Heiligkeit.

Bei der Zählung der Gebote gibt es im Judentum und in den christlichen Kirchen unterschiedliche Traditionen. Hier entsprechend der Tradition der Armenischen Kirche.

Das erste Gebot

Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.

Das zweite Gebot

Du sollst dir kein Bildnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist. Bete sie nicht an und diene ihnen nicht!

Das dritte Gebot

Du sollst den Namen des Herrn deines Gottes nicht unnützlich führen; denn der Herr wird den nicht
ungestraft lassen der seinen Namen missbraucht.

Das vierte Gebot

Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber der siebte Tag ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. 

Das fünfte Gebot

Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt. 

Das sechste Gebot

Du sollst nicht töten. 

Das siebte Gebot

Du sollst nicht ehebrechen.

Das achte Gebot

Du sollst nicht stehlen. 

Das neunte Gebot

Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen. 

Das zehnte Gebot

Du sollst nicht nach dem Haus deines Nächsten
verlangen. Du sollst nicht nach der Frau deines
Nächsten verlangen, nach seinem Acker, nach seinem Sklaven, seinem Vieh oder nach irgendetwas,
das deinem Nächsten gehört.


Die Mysterien der Kirche

Unter Mysterien (arm. Khorhurd) versteht man in der armenischen Theologie die gottesdienstlichen Handlungen, in deren Verlauf eine besondere Begegnung Gottes mit dem Menschen stattfindet. Dies ist eine Vereinigung mit Gott, wie sie im irdischen Leben nicht vollständiger möglich ist.

Die Armenische Apostolische Kirche kennt sieben Mysterien:

  • Taufe
  • Myrosalbung
  • Buße (Beichte)
  • Eucharistie (Kommunion) 
  • Priesterweihe (Ordination)
  • Ehe
  • Krankensalbung (Letzte Ölung)

Alle übrigen gottesdienstlichen Handlungen werden als Riten bezeichnet. Allerdings ist zu beachten, dass die Lehre von den sieben Sakramenten, die sich in den Lehrbüchern der dogmatischen Theologie findet, aus der lateinischen Scholastik entlehnt wurde.

Jedes Mysterium hat seine sichtbare Seite, die das Geschehen selbst umfasst, das heißt Worte und Handlungen der Beteiligten sowie die „Stofflichkeit“ der Mysterien: Wasser in der Taufe, Brot und Wein in der Eucharistie.

Das Sakrament besitzt aber auch eine unsichtbare Seite — die geistige Wandlung und Wiedergeburt des Menschen. Zu diesem Zweck wird ja das ganze Geschehen vollzogen. Dieser unsichtbare Teil ist das eigentliche Mysterium, das jenseits der Grenzen des Sehens und Hörens sowie jenseits des Verstandes und des sinnlichen Empfindens bleibt.